Frau Michaela Nocker, können Sie sich den Lesern kurz vorstellen?

Ja, sehr gerne! Also, ich bin Michaela Nocker und ich bin beruflich seit einem Jahr als DAAD-Lektorin an einer staatlichen Universität in Yogyakarta, Indonesien, tätig, wo ich mit Leidenschaft Literatur und die deutsche Sprache unterrichte, auch Theaterprojekte initiiere.

 

Wie haben Sie die fachlichen Grundlagen für Ihre Leidenschaft gelegt?

Ich habe Germanistik als Zweitfremdsprache abgeschlossen sowie auch Psychologie und Theaterdramaturgie in Österreich studiert. Ich habe in Wien mein Master-Studium mit Schwerpunkt deutsche Literaturwissenschaft und Theateradaptionen abgeschlossen. Dann habe ich lange im Bereich Kulturmanagement, Literaturvermittlung gearbeitet, bei manchen internationalen Institutionen, in denen die Theaterarbeit involviert ist, wie das Goethe-Institut Sri Lanka und die österreichische Kulturabteilung in Washington DC und Neu Delhi.

Michaela Nocker, DAAD-Lektorin
© Jacopo Pantoleoni

 

Wie sehen die aktuellen Aufgaben an der Universität und bei dem DAAD aus?

Als DAAD-Lektorin bin ich vor allem die Vermittlerin der deutschen Kultur und Sprache. Mein Fachgebiet ist die deutsche Literaturwissenschaft und ich unterrichte zahlreiche Fächer, u.a. im wissenschaftlichen Bereich und im Sprachbereich. Ich unterrichte momentan sechs Lehrveranstaltungen, die von Phonetikunterricht bis Landeskunde reichen, und eben auch Literatur und Theater.
Mein Steckenpferd* ist wie schon gesagt das Theater. Ich habe im letzten Jahr einige Projekte mit den Studierenden verwirklicht und versuche ausdrücklich Literatur oder Theater durch diverse Projekte spürbar zu machen.  Ein Anliegen ist es mir auch immer, Studierende einzubinden in eine praktische Arbeit, d.h. es geht hinaus vom Klassenzimmer wirklich in die Lebensrealität der indonesischen Studierenden und sie arbeiten zu zahlreichen Themen, die sie dann auch später im Berufsleben ausüben können. Ich biete ihnen auch die Möglichkeit einer Plattform, wo sie tatsächlich neu interpretieren und selbst Initiative ausführen können.
Das ist für mich ein Schwerpunkt meiner Arbeit als Lektorin, dass die Studierenden aus Eigeninitiative und Kreativität sehr aktuelle praxisbezogene Projekte verwirklichen können. Zum Beispiel hatten wir im letzten Jahr ein literaturbezogenes Projekt, wo die Studierenden eine Ausstellung selbst organisierten. Ausgehend von der deutschen Literatur, die in einem umfassenden Ausstellungskonzept umgesetzt und dazu Theaterstücke entwickelt werden.
Wir hatten auch ein Projekt mit den deutschen Grundrechten zur Demokratie. Im Rahmen des Germanistik-Studiums an einer Fakultät ist natürlich vielen wichtig, sich mit der deutschen Realität bzw. politischen Themen auseinanderzusetzen. Das heißt, eine persönliche Auseinandersetzung wie beispielsweise Meinungsaustausch, Meinungsäußerung findet im Unterricht immer statt.
Im Rahmen solcher Projekte durch Diskussionen und dann auch im Rahmen von Theaterprojekten wird diese Demokratie noch aktiv gelebt und ein emotionales Engagement zeigt auch immer ein sehr schnelles effizientes Sprachenlernen.
Neben dem Unterricht berate ich die Studierenden zu Studienmöglichkeiten in Deutschland, es geht hier hauptsächlich um den Wissenschaftsaustausch und ich bin auch zuständig dafür, Universitätspartnerschaften zu initiieren zwischen Indonesien und Deutschland.


Was macht besonders viel Spaß beim DaF (Deutsch als Fremdsprache)-Unterricht?

Mir ist der Kontakt mit Menschen sehr wichtig. Man arbeitet mit individuellen Persönlichkeiten, jeder Student hat seine eigenen Bedürfnisse, Wünsche sowie auch danach seinen eigenen Karriereweg. Da versuche ich auch immer auf diese grundverschiedenen Wünsche einzugehen. Was mir wirklich Spaß macht, ist einfach die Gruppendynamik zu entwickeln, kreativ zu arbeiten und dann nach einer langen Zeit der Begleitung meiner Studenten endlich zu hören, wie erfolgreich sie beruflich sind. Und wie schon gesagt, kreative Projekte und Theaterarbeit  zu initiieren und das Gesamtkunstwerk zu bestaunen sowie auch zu sehen, wie die Persönlichkeiten im Laufe dieses Prozesses wachsen, macht mir die größte Freude.

 

Gibt es außer Ihrem Hauptjob eine Nebentätigkeit, die Sie ausüben, z.B. beteiligen Sie sich ab und zu an einer NGO in der Nähe?

Mein ehrenamtliches Engagement ist momentan die Theaterarbeit. Ich arbeite außerhalb der Universität auch am Theater.  Ansonsten ist mir die NGO-Tätigkeit in meiner Freizeit nicht möglich, aber ich bin natürlich immer sehr gespannt, wenn etwas auf mich zukommt. 


Was empfehlen Sie den Geisteswissenschaftlern auf Jobsuche?

Ich würde empfehlen, dass die Absolventen von geisteswissenschaftlichen Studien sich eben nicht einschränken und auch zuerst wissen müssen, was ihre Ambitionen eigentlich sind und was ihnen an erster Stelle wichtig ist. Viele möchten ja auch tatsächlich flexibel bleiben und andere möchten im Vollzeitjob verbleiben, um ein gut gesichertes Grundeinkommen zu haben, was sich auch vielleicht noch mehr mit einer Familie vereinbaren lässt. Da kann es schon sein, dass man daneben Abstriche macht.
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, dass man sich nicht zu sehr festlegt. In der heutigen sehr schnelllebigen Zeit, in einer Wirtschaft die einfach nicht sicher ist, weil man ohnehin auf Jobwechsel angewiesen ist und auch häufig mehr arbeiten muss, sollte man sich einfach nicht auf den bestimmten Karriereweg versteifen. Manchmal benötigt man vielleicht ein oder zwei Jahre Überbrückung, bis man in seinem Wunschberuf arbeiten kann.
Wenn man sehr gute Sprachkenntnisse mitbringt, kann man in jedem kommunikativen Beruf einfach Fuß fassen, sei es in dem des Journalismus. Auch hier gibt es andererseits immenses Potenzial. Was sehr häufig in Deutschland und in den anderen westlichen Ländern vorkommt, ist, dass man sein eigenes Unternehmen gründet, wodurch man die eigenen kreativen Ideen umsetzen kann.


Welche beruflichen Zukunftspläne oder Wünsche haben Sie?

Ich persönlich möchte gerne in der Forschung noch mehr tätig sein. Ich möchte mein Doktorat in den nächsten Jahren abschließen. Grundsätzlich ist die persönliche berufliche Weiterbildung sehr wichtig. Das Reisen und das Kennenlernen neuer Kulturen ist mir persönlich auch sehr wichtig. Es sind sehr viele Wünsche, die mir noch offenstehen. In den nächsten Jahren sehe ich mich noch als eine Dozentin in diesem Beruf, der sich bisher gelohnt hat. Wenn sich weitere Wege eröffnen, dann bin ich dankbar dafür.

 

 

* Steckenpferd = Etwas, das man leidenschaftlich gerne macht. Zum Beispiel: Deutsch lernen ist mein Steckenpferd. 


Das Interview hat Erza Fajar (25 Jahre), PASCH-Alumnus aus Bandung, Indonesien, im Rahmen der Interview-Reihe "Wege nach dem Studium" geführt. Erza hat die PASCH-Schule SMAN 7 Bandung besucht und Internationale Beziehungen/Politikwissenschaften an der Universitas Katolik Parahyangan in Bandung studiert.