Fachspezifische Charakteristika

Tag 5: Methoden in der Geisteswissenschaft


Hey Du! Interesse am Studium der Kunstgeschichte? Zögerst du noch bei der Studienwahl? Mit meinem kleinen Beitrag möchte ich dir einen Eindruck von der wissenschaftlichen Arbeit im Studium der Kunstgeschichte geben.

Wei vor dem Gemälde von Paul Gauguin in Lyon
©Sun Wei

Besonderheiten beim Schreiben in den Geisteswissenschaften
Die Art des Schreibens ist je nach Studienfach unterschiedlich. Von den Bachelorstudierenden wird v.a. erwartet, dass sie das selbständige wissenschaftliche Arbeiten lernen. Eine vollständige Hausarbeit basiert meistens auf der ausgesuchten und gelesenen Literatur und lässt sich durch eine Fragestellung gliedern, die in der Einleitung eingeführt, im Hauptteil analysiert und im Schlusswort beantwortet wird. Dabei ist die Zuhilfenahme von Literatur essentiell, weshalb das richtige Setzen von Fußnoten und Zitaten sehr wichtig ist. Zudem sind bei kunsthistorischen Hausarbeiten Vergleiche mit unterschiedlichen Kunstwerken ein sehr bedeutender Bestandteil.

Beschreibung der Kunstwerke

Die Beschreibung eines Kunstwerks zählt zu den ersten Sachen, die wir Kunsthistoriker erlernen müssen, und ist die erste von drei Phasen sich nach E. Panofsky mit Kunstwerken auseinanderzusetzen; nämlich die vorikonographische Analyse, denn die Beschreibung ist das bewusste Sehen. Deswegen sei es besonders wichtig, sich das Objekt vor Augen zu führen (am besten vor Ort). Normalerweise fängt man nach Angabe der technischen Daten mit dem auffälligsten Teil an und beschreibt nach der Wichtigkeit geordnet. Jedoch ist die Bildbeschreibung niemals das Kunstwerk selbst, was daran liegt, dass die Vorgehensweise der Bildbeschreibung von dem Bild und der Situation abhängt und dass es daraus vollkommen unterschiedliche Ergebnisse ergeben könnte.

Das ,,Coolste“ im Studium der Kunstgeschichte

Wer Kunstgeschichte studieren will, muss zuerst imstande sein den Fachjargon zu verstehen. Bereits im ersten Studienjahr werden Kunstgeschichtsstudenten trainiert und aufgefordert die Fachterminologie zu benutzen, die nebenbei auch englische, französische, lateinische oder italienische Begriffe beinhalten kann. Beispielweise sagt man statt ,,Maria und Jesuskind“ manchmal ,,Immaculata conceptio (Unbefleckte Empfängnis)“, manchmal ,,Eleusa“ (Jesuskind schmiegt sich ans Gesicht der Mutter), manchmal ,,Maria lactans“ (Stillende Maria) etc.

Meine Tipps und Tricks
1) Nach drei Semestern im Studium der Europäischen Kunstgeschichte würde ich den Interessierten, die noch zögern, oder den Anfängern im Studium der Kunstgeschichte vorschlagen, schnellstmöglich mit dem Sprachen Lernen anzufangen. Allein Deutsch und Englisch reichen meistens nicht aus. Die wichtigsten Arbeitssprachen sind neben Deutsch und Englisch noch Französisch, Italienisch, Latein, Spanisch und Altgriechisch... Dadurch erweitert man den Fundus an möglichem Quellenmaterial. Häufig habe ich das Gefühl, dass unsere Dozenten all diese Sprachen beherrschen. Jedes Zitat in der Vorlesung wird authentisch vorgelesen, jeder Künstlername wird fehlerfrei in der Sprache von dessen Herkunftsland ausgesprochen.
2) Ein nicht zu den Tricks zählendes Trick ist: Museen besuchen. Das wunderbare Gefühl, das Kunstwerk von der PPT-Präsentation vor Ort betrachten zu können, ist unbeschreiblich. Oft kann man den Künstler beinahe spüren auf Grund der stark ausgedrückten Emotionen.
3) Neben dem seelischen Austausch mit Künstlern ist der Gedankenaustausch mit Dozenten auch wichtig, besonders für die sinnvolle Gestaltung des Referats und der Hausarbeit. Es muss klar sein, was von der Zuhörerseite erwartet wird. Die von ihnen gegebenen Ratschläge erleichtern in der Tat den ganzen Prozess.

Unterschiede zu den Naturwissenschaften
Der größte Unterschied der Geisteswissenschaften zu den Naturwissenschaften besteht darin, dass die Forschungsergebnisse der Naturwissenschaften normalerweise auf Experimenten, Statistiken und Daten basieren, während Geisteswissenschaftler Gedanken über bereits existierenden Stoffe weiterentwickeln. Statt zu rechnen und zu experimentieren müssen Geisteswissenschaftler viel lesen und mitdenken.

Die Entscheidung zum Studium der Europäischen Kunstgeschichte scheint für einen Chinesen wie mich nicht einfach zu sein, aber eben diese absolute Fremdheit macht das Studium so faszinierend!

Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurem Studium und frohe Weihnachten im Voraus!

Grüße aus Heidelberg, dem Herzen der Romantik

SUN Wei

 

Autor: Sun Wei

Datum: 05.12.2017


Weihnachtslied:
Schneeflöckchen, Weißröckchen

"Schneeflöckchen, Weißröckchen" ist ein weiteres bekanntes Weihnachtslied. In der ursprünglichen Fassung stammt es von Hedwig Haberkern und erschien 1869. Es ist das perfekte Lied, um den ersten Schneefall melodisch zu begleiten und die Magie des ersten Schnees zu zelebrieren!