Eine Wissenschaftlerin in der Märchenstadt

Copyright: Goethe-Institut / Nelly Küfner

Schon als kleines Mädchen wollte Augustina Gabrilavičiūtė Wissenschaftlerin werden. Durch die Unterstützung des Goethe-Instituts und der PASCH-Initiative ist die 23-Jährige aus Litauen diesem Ziel ein großes Stück näher gekommen: In ihrer Heimat besuchte sie das Vilnius Lyzeum, eine PASCH-Schule, und lernte dort seit der zweiten Klasse Deutsch als erste Fremdsprache. Nun lebt sie in Marburg und studiert im Master Molekulare Neurobiologie. Der hohe Universitätsstandard und das weltbekannte Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie waren nur zwei von vielen Gründen, aus denen sie sich für die kleine deutsche Stadt mit den mittelalterlichen Gebäuden und dem jungen, modernen Studentenleben entschieden hat.

 

2008 erhielt Augustina Gabrilavičiūtė ein Stipendium für einen PASCH-Jugendkurs des Goethe-Instituts. Der Sprachkurs im thüringischen Oppurg, der ihr erster Besuch in Deutschland war, hinterließ einen bleibenden Eindruck bei ihr. Dort lernte sie zusammen mit Jugendlichen aus über zehn Ländern nicht nur drei Wochen lang intensiv Deutsch, sondern unternahm Ausflüge und ging vielseitigen Freizeitaktivitäten nach. So nahmen die Schülerinnen und Schüler an einem Fotowettbewerb teil und besuchten Probevorlesungen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In der internationalen Lerngemeinschaft legte Augustina Gabrilavičiūtė ihre Hemmungen ab, Deutsch zu sprechen, da Deutsch als gemeinsame Sprache alle Teilnehmenden verband. Die Erfahrungen im Jugendkurs weckten in ihr den Wunsch, später in Deutschland zu studieren.

 

Zwei Jahre danach repräsentierte sie ihre Schule beim deutschsprachigen Wettbewerb „Jugend debattiert international“. Im gleichen Jahr erhielt sie ein Stipendium des Goethe-Instituts, um an einem länderübergreifenden Theaterprojekt teilzunehmen. In Zusammenarbeit mit einem professionellen Regisseur aus Deutschland schrieb sie mit anderen Jugendlichen von PASCH-Schulen ein lebendiges Theaterstück. Während der Teilnahme an diesen Projekten schloss sie mit vielen Schülerinnen und Schülern Bekanntschaft. Über diese Zeit berichtet Augustina Gabrilavičiūtė: "Es war stets sehr faszinierend, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen. Damit bot sich mir auch eine gute Gelegenheit, andere Kulturen besser zu verstehen. Bis zum heutigen Tag stehe mit den meisten Schülern in Kontakt."

 

Neurobiologie in Marburg

Nach ihrem Schulabschluss musste Augustina Gabrilavičiūtė über die Wahl ihres Studienortes nicht lange nachdenken: "Ich wollte im Ausland studieren, in einem Land, in dem ich die Sprache spreche." Neben dem exzellenten Ruf des Forschungsstandortes Marburg überzeugte sie dabei auch die Lebensqualität in der kleinen Stadt. "In Vilnius, unserer Hauptstadt, muss ich wegen der Distanzen immer den Bus nehmen. In Marburg kann ich zu Fuß bis in die Altstadt laufen oder durch den Wald zur Uni gehen. Marburg ist eine mittelalterliche Stadt mit tausenden Treppen und kleinen Gassen. Es ist auch die Stadt der Gebrüder Grimm, die ebenfalls hier studiert haben. Dieser Ort lässt zugleich keinen Wusch offen und ist lebenslustig, da jede vierte Person hier Student oder Studentin ist", schwärmt sie von ihrem neuen Wohnort.

 

Derzeit forscht Augustina Gabrilavičiūtė am Institut für Physiologische Chemie der Philipps Universität Marburg an ihrer Masterarbeit in Molekularer Neurobiologie. Zu verstehen, wie ein Gehirn aufgebaut ist und wie es funktioniert, findet sie faszinierend. Deshalb möchte sie auch in ihrer Promotion in diesem Forschungsbereich weiterarbeiten. "Meine Professoren sind weltberühmte Wissenschaftler", erklärt sie. "Allein deshalb bin ich mir sicher, auf dem richtigen Weg zur Verwirklichung meiner langfristigen Ziele zu sein." In zehn Jahren, so hofft sie, wird sie als international anerkannte Forscherin tätig sein.

 

Die Sprache ihrer Wahlheimat ist Augustina Gabrilavičiūtė inzwischen ebenso vertraut wie ihre Muttersprache Litauisch und die Wissenschaftssprache Englisch. "Ich bewege mich zwischen drei Sprachen", berichtet sie. "Oft kann ich mich gar nicht erinnern, in welcher Sprache mir jemand etwas erzählt hat und rekonstruiere das im Kopf."

 

Von der Wirkung der PASCH-Initiative und dem großen Einfluss, den diese auf ihren Werdegang hatte, ist Augustina Gabrilavičiūtė überzeugt. Deshalb unterstützt sie heute aktiv die Initiative als Alumna. Wenn sie in ihre Heimatstadt Vilnius fährt, besucht sie dort die PASCH-Schulen und berichtet von Marburg und ihrem spannenden Studium in Deutschland.