SPOTLIGHT: Andrea Stauder als Praktikant bei den Vereinten Nationen in New York

PASCH-Alumnus Andrea Stauder aus Italien studiert Kommunikationswissenschaften an der Universität Mailand. Er wurde ausgewählt, bei der Change the World Model United Nations, kurz CWMUN, mitzumachen. Die CWMUN möchte jungen Menschen die Teilhabe an einer globalen Gemeinschaft erleichtern und deren Zusammenarbeit fördern.

  

© privat/Andrea Stauder

Mein Name ist Andrea Stauder. Obwohl mein Name ziemlich Deutsch klingt, bin ich Italiener. Ich habe im Jahr 2016 das Abitur an der Deutsch-Profil-Schule in Piacenza abgelegt und studiere jetzt Kulturwissenschaft an der Universität Mailand. Ich befinde mich noch ganz am Anfang meines Studiums, aber schon jetzt kann ich sagen, dass die deutsche Abteilung des Liceo Ginnasio Melchiorre meinen Lebensweg maßgeblich beeinflusst hat.

Meine Reise begann an der Mittelschule. Schon damals entfachte das Fach Deutsch meine Leidenschaft und ich beschloss meine Ausbildung an der deutschen Abteilung fortzusetzen. Der Weg war nicht leicht und ich hatte mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen, denn Deutsch ist für einen Italiener keine einfach zu lernende Sprache. Einen ungeheuren Motivationsschub erhielt ich durch einen Sprachkurs in Österreich, der mich ermutigte, innerhalb kürzester Zeit das Goethe-Zertifikat auf dem Niveau B 2 abzulegen. Beflügelt durch diesen Erfolg entschied ich mich, ein Schuljahr in Berlin zu verbringen. Die Schwierigkeiten an dem Berliner Gymnasium waren nicht wenig. Ich wurde mit Unterrichtsfächern wie Politikwissenschaft, Sozialwissenschaft und Wirtschaft konfrontiert, die mir fremd waren, da es sie in Italien nicht gibt. Ich beschloss, zu kämpfen und dieses Jahr in Deutschland zu einem Erfolg zu machen.  Ein Jahr später kehrte ich innerlich gereift und mit einem ausgezeichneten Schulzeugnis nach Piacenza zurück. So ermutigt legte ich noch zu Beginn der 13. Klasse das Goethe-Zertifikat auf dem Niveau C 2 ab. Von da an ging mir alles leicht von der Hand. Ich legte das Abitur an der Deutschen Abteilung mit Erfolg ab und entschied mich, Kommunikationswissenschaft an der Universität Mailand zu studieren.

Schnell verstand ich, dass in diesem international und multikulturell angelegten Studienfach, die Kenntnis von Fremdsprachen unerlässlich war. Da ich im Gegensatz zu meinen Studienkollegen schon über fortgeschrittene Kenntnisse in Deutsch, Englisch und Französisch verfügte, legte ich den Schwerpunkt meiner Ausbildung auf das internationale Recht und nahm an zahlreichen Konferenzen zu diesem Fachgebiet teil.

© privat/Andrea Stauder
© privat/Andrea Stauder

Dann bot sich mir eine einzigartige Gelegenheit, mit der ich so schnell gar nicht gerechnet hätte: die Möglichkeit, am Change the World Model United Nations in New York mit zu machen.  Das Auswahlverfahren war hart. Zunächst musste ich bei der Vereinigung Diplomaten International ein Curriculum einreichen. Dann musste ich im Bewerbungsgespräch über den Krieg in Syrien, die Flüchtlingskrise, den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinen Vorgänger Barack Obama, sowie über mich selbst und meine Auslandserfahrungen sprechen.  Doch trotz großer Konkurrenz wurde ich wider Erwarten ausgewählt, an dem Projekt teilzunehmen. Nach einem dreimonatigen Vorbereitungskurs reiste ich am 15.3.2017 nach New York. Am Tag darauf begann die Arbeit im Sitz der Vereinten Nationen.

Am Anfang des ersten Tages stand ein Appell, dessen Ziel es war, die Anzahl der an der Konferenz teilnehmenden und votierenden Staaten festzustellen. Sodann haben wir eine Agenda erstellt und die Abfolge der zu behandelten Themen festgelegt. Zentrales Thema war das Voranschreiten der weltweiten Epidemien. Staat für Staat stellte seine Lösungsansätze vor und versuchte, Verbündete zu gewinnen sowie Finanzmittel aufzutreiben, um des Problems Herr zu werden. Gemeinsam mit Deutschland und Frankreich einigten wir uns schließlich darauf, die Schulbildung in den afrikanischen Ländern auszubauen und Präventionsmaßnahmen zu ergreifen, um die Epidemien vor allem in den afrikanischen Staaten einzudämmen. Am Nachmittag desselben Tages erstellten wir unser Positionspapier und sicherten uns die finanziellen Mittel für die Umsetzung der Maßnahmen.

In der Abschlussdebatte stellten alle Staaten ihre Positionen dar und man schritt zur Abstimmung. Unser Positionspapier fand die Zustimmung der anderen Staaten. Ich war im siebten Himmel. An meinen ersten zwei Tagen war es mir gelungen, ein Positionspapier, die globale Ausbreitung von Epidemien betreffend, zu erstellen, das die Zustimmung aller fand. An den darauf folgenden Tagen behandelten wir andere Themen.

© privat/Andrea Stauder

Es war ein aufregendes Gefühl am Morgen in New York aufzuwachen, zum Sitz der Vereinten Nationen zu gehen, meinen Dienstausweis vorzuzeigen und dann das Maximum zu geben, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Es war für mich unheimlich beeindruckend, zu erleben, wie sich arme und reiche Staaten, benachbarte und weit entfernt liegende Staaten in einem Versammlungssaal trafen, und versuchten, zum Wohl aller Menschen auf dieser Welt zusammenzuarbeiten. In einer sehr formellen Umgebung ist es uns jungen Menschen im Alter von 18-20 Jahren gelungen, groβe Projekte zu entwickeln, die von der realen WHO gesichtet und bewertet werden. Ich fühlte mich danach ein stückweit als Bürger dieser Welt und ich denke, dass das essenziell ist in einer Welt, die droht von Konflikten auseinandergerissen zu werden.

Nach der Erfahrung in New York bin ich davon überzeugt, eine diplomatische Karriere einschlagen zu wollen. Dieses Ziel ist für mich in greifbare Nähe gerückt. Ich habe auch verstanden, weshalb es so wichtig ist, Sprachen zu lernen – sei es Deutsch, Englisch oder Französisch: Sprachen erschließen dem Menschen die Welt! Sprache ist gleichbedeutend mit Kultur. Sprache ist verbunden mit Identität. Wenn wir eine neue Sprache lernen, erkennen wir auch ein stückweit uns selbst und entwickeln Teile unserer Persönlichkeit, die sonst im Verborgenen geblieben wären. Alles, was wir tun, ob es erfolgreich ist oder nicht, trägt im Wesentlichen zu unserer Entwicklung bei.  Einen wesentlichen Teil meiner Entwicklung habe ich der Deutsch-Profil-Schule Piacenza und dem ausgezeichneten Deutschteam dort zu verdanken. Ohne die Deutsch-Profil-Schule in Piacenza wäre ich heute nicht der, der ich bin. Mein Weg war manchmal steinig, manchmal war ich versucht aufzugeben, aber ich habe erkannt:

                                             “Der Weg ist das Ziel”!

Autor: Andrea Stauder

Datum: 29.09.2017

  

Weiterführende Informationen:

 → Change the World Model United Nations (CWMUN)

 → Allgemeine Informationen zu Model United Nations

 → Schulprofil: Liceo M. Gioia Piacenza 

  

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