23.02.18: Soziales Unternehmertum - Wie man unternehmerisch soziale Probleme lösen kann

 

Junge Leute haben oft den Wunsch, den Welt zu verändern. Man kommt mit vielen Ideen an die Universität, sie werden aber oft zur Seite gelassen, wenn es dazu kommt, ins Berufsleben einzusteigen. Ist es aber nicht möglich, beide zu verbinden?
Heute stelle ich euch, liebe Leser, das Prinzip des Social Entrepreneurships, oder soziales Unternehmertum vor. Das sind Unternehmen, die einen gesellschaftlichen Beitrag leisten wollen.

 

„Ein Sozialunternehmen ist ein Unternehmen, bei dem nicht der Gewinn der Hauptzweck ist, sondern das vor allem sozialen Mehrwert schaffen will“, so Arne Offermanns. Er hat in diesem Semester in der Uni Hamburg, wo ich studiere, ein Seminar zu diesem Thema für Geisteswissenschaftler veranstaltet. Die Idee dahinter? Studenten zu motivieren, ihre eigenen Ideen umzusetzen. „Ich habe den Eindruck, dass viele Geisteswissenschaftler mit eigenen Vorstellungen und Ideen an die Universität kommen, die ihnen dann aber verloren gehen – und schließlich landen sie dann in Bereichen wie PR oder Marketing. Das Seminar sollte deswegen diese soziale, gesellschaftspolitische Motivation, die viele ins Studium mitbringen, mit einer Berufsperspektive kombinieren. Jeder Teilnehmer hat das Seminar mit einer einfachen Darstellung von einem Geschäftsmodell verlassen.“

 

Soziale Unternehmen setzen, anders als NGOs oder Ehrenamtsorganisationen, weit stärker auf unternehmerische Mittel und tragfähige Geschäftsmodelle, um gesellschaftliche Probleme lösen. Das klassische Ehrenamt gehe nicht davon aus, dass mit der eigenen Tätigkeit Geld zu verdienen sei, so Offermanns. Social Businesses können dagegen durchaus anstreben, mit ihren Aktivitäten Mitarbeiter zu bezahlen und Gewinne zu machen – letztere sind jedoch nicht deren Hauptziel und werden in der Regel reinvestiert. Ein sehr bekanntes Unternehmen ist in Hamburg die Organisation Viva con Agua St. Pauli. Sie ist ein gemeinnütziger Verein, der für den weltweiten Zugang zu Trinkwasser kämpft. Ihre In- und Auslandsprojekte finanzieren sie aber, unter anderem, durch den Verkauf von Mineralwasser.

 

 

Wie fängt man an?

Natürlich habe ich Offermanns auch gefragt, ob er Tipps für euch, Leser, hat, wie man anfangen soll. Sein Tipp: Immer einen Schritt nach dem anderen machen. Wenn man schon eine Idee hat, sollte man sich weiter informieren und sich dann überlegen, was der nächste Schritt ist, um die Idee konkreter zu machen. Er empfindet es auch als wichtig, Menschen aus anderen sozialen Unternehmen anzusprechen, mit denen man in der Zukunft vielleicht arbeiten kann. In allen Fällen soll man sich aber von der Mentalität verabschieden, dass man große und gute Ideen aufgeben muss, um Geld zu verdienen.

Hat man schon konkrete Pläne, dann kann eine Beratung von Experten auch von Vorteil sein – dafür gibt es einige tolle Projekte und Orte, wo man nach Hilfe fragen kann. Ein Beispiel dafür ist das Social Impact Lab. Das Social Impact Lab ist eine Agentur für soziale Innovationen, wo soziale Unternehmen sich beraten lassen können. Außerdem bieten sie unterschiedliche Förderungs- und Qualifizierungsprogramme zur Gründung von sozialen Unternehmen an. In den Social Impact Labs, die in vielen deutsche Städten angesiedelt sind, wird auch Raum für Coworking zur Verfügung gestellt.


Ein soziales Unternehmen, das davon profitiert hat, ist die FahrradGarderobe. Dieses Unternehmen setzt sich für Nachhaltigkeit in Großveranstaltungen ein. Vom Social Impact Lab in Hamburg haben sie Beratung bekommen und wurden durch ein Stipendium mit einem kostenfreien Büroplatz unterstützt. Ich habe mit dem Gründer der FahrradGarderobe, Michael Kellenbenz, gesprochen. Er erzählt mir, wie er zu der Idee des Unternehmens kam und wie er Unterstützung bekommen hat, um es umzusetzen. Das Unternehmen habe ich aufgrund seines Philosophie für einen Interview ausgewählt– das Gespräch könnt ihr in dem folgenden Video sehen:

 

 

Interview mit Gründer Michael Kellenbenz



Offermanns Plan hat anscheinend geklappt – einige Studenten, die im Seminar teilgenommen haben, haben jetzt konkrete Pläne, das Geschäftsmodell für eine Idee weiter zu entwickeln und umzusetzen.

Ich hoffe, ich könnte euch mit diesem Beitrag auch ein wenig inspirieren! Bis zum nächsten Mal :)

 

 

 

Autorin: Camila Franco Weiss - PASCH-Alumna aus Brasilien