Deutsche Symbole - das Ampelmännchen aus dem Osten - und die „Ostalgie“

Als jemand, die schon seit fast 2 Jahre in Deutschland wohnt, kenne ich die typischen Symbole dieses Landes auch einigermaßen gut. Trotzdem habe ich mich erst vor einigen Monaten, als ich wieder in Berlin zum Besuch war, gefragt, welche Geschichte hinter den berühmten Ampelmännchen aus Ost-Berlin, die zum Symbol der Stadt geworden sind, steht. Warum sind sie überhaupt wieder aufgegriffen worden? Wer war dafür verantwortlich? Und was hat es mit dem Phänomen der "Ostalgie" überhaupt zu tun? Ich habe es für euch nachgeguckt:

 

Die Entstehung des Ampelmännchens:

Entwickelt wurde das Ampelmännchen von dem Verkehrspsychologe Karl Peglau in 1961. Ziel des Designs war, den Verkehr so sicher für die Fußgänger wie möglich zu gestalten. Dadurch bekam das Ampelmännchen seinen charakteristischen Bauchansatz, denn je größer die beleuchtete Fläche, desto besser können die Fußgänger die Farbe erkennen. Außerdem sieht die Figur so sympathisch aus, dass ihr von den Personen direkt vertraut wird. Das Projekt war ein Erfolg und die Ampeln wurden überall in der DDR eingesetzt, bis sie nach der Wiedervereinigung abgesetzt wurden.   

 

 

Seine Wiederbelebung:

Nach 1990 wurden die Ampeln aus der DDR außer Betrieb genommen und durch die schlichte (und langweilige) Variante aus der BRD ersetzt – was einige sehr entsetzt hat.  

Der Designer Markus Heckhausen, ein Westdeutscher der nach Ostberlin zog, fand die Figur viel zu schön, um sie in Vergessenheit geraten zu lassen: Er baute aus den alten Ampeln Lampen, die schnell verkauft wurden. Dadurch entstand der erste Entwurf, aus der Figur eine Marke zu machen.

Heutzutage ist es einer der vielen Symbole Deutschlands – und vor allem Berlins, geworden. In der Hauptstadt sind mehrere Ampelmännchen-Shops zu finden, die voll mit Touristen sind.

 

 

Ostalgie?

Was mich in dieser Geschichte vor allem interessiert, ist ihre Verknüpfung zu dem deutschen Phänomen der Ostalgie – vom Duden Wörterbuch als „Sehnsucht nach [bestimmten Lebensformen] der DDR“ definiert. Für einige ist die Wertschätzung und der Erfolg der Ampelmännchen ein Beispiel für eine Verherrlichung aufgrund der Tatsache, dass es aus Ost-Deutschland kommt. Die Ostalgie an sich entstand vermutlich aufgrund der Schwierigkeiten, mit denen die neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung konfrontiert wurden. Konkret bedeutet es, dass viele Unterschiede zwischen den ehemaligen westlichen und östlichen Bundesländer erhalten blieben– sowohl wirtschaftlich wie auch sozial. Ein klassisches und konkretes Beispiel sind die Produkte, die man heutzutage nur noch im Osten unter anderen aufgrund von Gewohnheit und Nostalgie konsumiert (Quelle: SPIEGEL ONLINE >>).

Retro-Geschäft mit DDR-Produkten

Es findet in Berlin zum Beispiel jährlich die Messe „Ostpro“ statt, wo Besucher Marken aus den ehemaligen ostdeutschen Bundesländer präsentiert bekommen – oft gehörten die Produkte zur Kindheit der Besucher.

Für mich als Ausländerin sind solche Phänomene immer ein Zeichen, dass Geschichte – und vor allem die Deutsche Geschichte – komplizierter ist als man denkt. Einerseits hat man ein Land, die es seit fast 30 Jahren als Einheit gibt, andererseits sowas wie die Ostalgie, die zeigt, dass eine Wiedervereinigung die Kultur eines Gebietes nicht aufhebt. 

In diesen 2 Jahre hat sich das Bild, was ich von Deutschland in meinem Kopf habe, auf keinen Fall konsolidiert – je mehr ich über Kleinigkeiten wie das Ampelmännchen nachforsche, desto mehr stöbere ich auch größere Aspekten wie die Ostalgie und verstehe, dass ein Land immer heterogen und dadurch auch facettenreich ist. Interessant finde ich auf jeden Fall, wie Elemente der Vergangenheit aufgegriffen und neu interpretiert werden – sodass sie zu Kultmarken wie das Ampelmännchen oder zu Nostalgie-Symbolen wie die Supermarktprodukte werden.

 

Aber egal, wie man es sehen will: Das Ampelmännchen bleibt eine sehr sympathische und niedliche Figur.

 

Bis zum nächsten Blogbeitrag!

Autorin: Camila Franco Weiss - PASCH-Alumna aus Brasilien