19.03.18: Tatort - Die Kult-Krimiserie und was sie uns über Deutschland erzählt

Liebe Leser,

wir haben schon oft darüber berichtet, dass Deutschland eine interessante Kultur hat. Wenige Sachen sind für mich so stark in die deutsche Kultur verankert wie eine sehr bestimmte Fernsehsendung. Deswegen stelle ich euch heute, passend zum Thema des Monats im PASCH-Alumni Portal Deutsche Sprache und Literatur, "Tatort" – die Kult-Krimiserie, die einer der erfolgreichsten deutschen Medienprodukt ist, vor.

 

Tatort gibt es schon seit den 70er Jahren im Fernseh. Immer Sonntags, pünktlich um 20h15. Damals gab es im deutschen Fernsehen nur US-Amerikanische Krimiserien, die von der Realität der Deutschen und ihre Problemen weit entfernt waren. Deswegen hatte der Redakteur Gunther Witte eine außergewöhnliche Idee: eine Krimiserie, wo jede Folge in eine Region Deutschlands spielt, mit einem unterschiedlichen Mordfall und neuen Figuren. Insgesamt gab es schon über 1000 Episoden und die Serie bleibt beliebt. In vielen deutsche Großstädte findet man zum Beispiel Orte, wo die Sendung live übertragen und von den Zuschauern kommentiert wird.

Vor allem ist Tatort aber auch eine Dokumentation der deutschen Geschichte. Da realitätsnahe und auch aktuelle gesellschaftspolitische Themen behandelt werden, fühlen sich die älteren Folgen wie eine Zeitreise an – und zwar eine sehr unterhaltsame Zeitreise. 


© privat/Antje Sommerfeld

Antje Sommerfeld, seit fünf Jahren schon DAAD-Lektorin in Minsk, hat die Sendung zu Unterrichtsmaterial gemacht. Als Lektorin unterrichtet sie Deutsch in der Staatlichen Linguistischen Universität und ist dadurch auch eine Kulturvermittlerin, indem sie das Deutschlandbild nach Außen trägt. Ihre Lehrveranstaltungen gestaltet sie immer spannend. 

"Ich habe mich immer für die Themen interessiert, die methodenübergreifend sind, etwa Crossover-Projekte. Zum Beispiel, wenn man Film, Sprache und Vermittlung mischt," so Antje. Durch das hohe Sprachniveau ihrer Studenten könne sie unterschiedliche Projekte durchsetzen, wie zum Beispiel eine Theatergruppe. In solchen Projekten erfolgt das Lernen nebenbei und die Studenten trauen sich mehr, die Sprache zu üben.  

Tatort im Landeskundeunterricht war auch einer solcher Projekte. Antje selbst ist grosser Tatort-Fan – das war aber nicht der einzige Grund. Durch unterschiedliche Fortbildungen ist sie aufmerksam geworden, dass Medien einen großen Einfluss auf unser Deutschlandbild haben. Dadurch eigne sich Tatort sehr, um über die Vielfältigkeit Deutschlands zu sprechen, nämlich welche Nationalitäten und Religionen zusammenleben. Gleichzeitig lernt sie selbst auch viel über die Vorstellungen und Vorurteile, die die Studenten über Deutschland haben.

Andererseits sind Filme auch super als Unterrichtsmaterial. „Es gibt unterschiedliche Lerntypen, und im Film kann man jeden Lerntypen erreichen, weil es Bilder, Ton und Texte gibt. Man kann die Szenen auch nachspielen und inszenieren," so Antje. Durch den Regionalen Charakter können auch Themen wie die Dialekte Deutschlands behandelt werden. Die Unterrichtsstunden waren entsprechend Abwechslungsreich. 


Mich persönlich hat es immer interessiert, warum Tatort immer noch so erfolgreich und so stark in der deutschen Kultur verankert ist. Wir reden ja über eine Sendung, die schon seit 40 Jahren im Fernsehen läuft. Antje sieht diesen regionalen Charakter der Sendung als Kern für den Erfolg.

Ich komme aus Kiel und wenn der Kieler Tatort im Fernsehen läuft, versuche ich, die Orte wiederzuerkennen. Tatort gibt uns sehr viele Identifikationsmöglichkeiten, das ist in Zeiten der Globalisierung auch wichtig. Fragen, wie „woher komme ich?“ und „wer bin ich?“, sind Teil unseres Lebens.“ Sie betont auch den sehr vereinigenden Charakter. Das Zusammengucken verbindet Freunde, da das Zuschauen für vielen auch ein wöchentliches Ritual ist.

 

Tatort ist einer der vielen Sachen, die ich erst in Deutschland kennen lernen durfte. Ich finde es aber spannend zu merken, wie eine Sendung so viele unterschiedliche Sachen bedeuten kann – für vielen eine Sendung, die Freundeskreisen näherbringt, für Antje und ihre Studenten auch eine Möglichkeit, Deutschland weiter zu erkunden. Für mich ist es ein Zeichen, dass Deutschland seine regionalen Eigenartigkeiten wertschätzt. Und naja, vielleicht werde auch ich anfangen, die Tatort Public-Viewings zu besuchen!

 

Bis zum nächsten Mal,

Camila

 

  

 

Autorin: Camila Franco Weiss - PASCH-Alumna aus Brasilien