Nachhaltigkeit an deutschen Hochschulen

Hallo liebe Leser!

Deutschland ist meiner Meinung nach einer der Länder, der sich am meisten mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Das ist auch etwas, was mich immer gewundert und beeindruckt hat. Das „Nachhaltig-Sein“ ist so tief in der deutschen Kultur verankert, dass Sachen wie Pfand und Jutebeuteln einem selbstverständlich erscheinen. In einer Untersuchung haben zum Beispiel 68% der Deutschen gesagt, dass Nachhaltigkeitsprobleme eine direkte Auswirkung in ihrem Leben haben (Quelle: STATISTA).
Doch wie sieht es aus an deutschen Hochschulen? Was wird von den Hochschulen gemacht, um dieses Konzept zu unterstützen? Wie wird es gefördert?   


© Referat für Umwelt

Vorträge von Experten an der Technischen Universität München

Projekte, die Nachhaltigkeit fördern, finden in Universitäten in unterschiedliche Formen statt. In der Technische Universität München (TUM) ist das Referat für Umwelt ein wichtiger Akteur. Das Referat ist eine Abteilung des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Universität. Ziel ist, Projekte zu fördern, die sowohl das Umweltbewusstsein steigern wie diese auch umzusetzen. Seit über 30 Jahren sind sie für die Organisation einer Ringvorlesung, zu der prominente Wissenschaftler eingeladen werden, in der Münchner Innenstadt zuständig. Zusätzlich wird die Veranstaltung seit dem Sommersemester 2018 auch am TUM Campus Garching angeboten.   
 
„Unsere Veranstaltungen werden generell sehr gut besucht. Letztes Semester beim Vortrag von Professor Harald Lesch im Rahmen der Ringvorlesung "Umwelt" in der Innenstadt waren sowohl das Audimax als auch der Streamingraum so voll, dass einige keinen Platz bekommen haben“, erzählt João Miguel Petraglia, Mitglied des Referates für Umwelt und Koordinator der Vortragsreihe Umwelt am Campus Garching.

„Wir haben viele Partner innerhalb der TUM, die uns unterstützen.“
 
Diese Unterstützung erfolgt als Gruppenarbeit: Das Munich Center for Technology in Society (MCTS), ein Zentrum für integrierte Forschung der TUM, hilft bei der Koordinierung der Veranstaltungen und bietet ein Budget für Werbung und sonstiges an. Die Evangelische Hochschulgemeinde und die Katholische Hochschulgemeinde unterstützen finanziell das Catering und das Zentrum für Schlüsselkompetenzen (ZSK) der Fakultät für Maschinenwesen bietet einen Workshop an, wo die Teilnehmer des Referates für Umwelt sich im Bereich Diskussionsmoderation und Lehrveranstaltungsplanung weiterbilden können.
 
„Allgemein sind wir sehr zufrieden mit der Unterstützung, die wir haben“, erzählt João. „Wir können das MCTS immer nach Hilfe fragen und die Traininerinnen aus dem ZSK sind oft auch in den Veranstaltungen anwesend, um uns direktes Feedback und Verbesserungstipps zu geben.“
 
Allerdings fehle teilweise die Unterstützung von manchen Fakultäten, so João. „Einige haben sich geweigert, unser Modul im Studiencurriculum aufzunehmen. Das ist natürlich schade, weil es Studierenden die Möglichkeit nimmt, Leistungspunkte für ihre Teilnahme an einer so wichtigen Veranstaltung zu bekommen.“


© WurzelWerk

Auf dem Campus wird gepflanzt

Wer durch den Hauptcampus der Universität Hamburg (UHH) läuft, erkennt an einer Ecke einen großer Garten – das WurzelWerk. Die Initiative gibt es seit vier Jahren und wird von Studierenden freiwillig betrieben. Einerseits soll es als Gartenplattform fungieren, wo auf ökologischer Weise gepflanzt wird – andererseits ist das WurzelWerk auch ein Raum, der im Kontext von Privatisierungen und Urbanisierungen offen für allen ist.
 
Die Fläche für das Projekt haben sie nach Verhandlungen von der Universität bekommen - früher wurde der Bereich nicht benutzt. Seitdem engagieren sich circa zehn Studierende und entscheiden zusammen, was im Garten stattfinden soll. Letztens wurde zum Beispiel ein Büchertausch-Regal gebaut.
 
Wir arbeiten sehr kostensparend, benutzen viel Werkzeuge, die secondhand sind. Die Platten für unser Bücherregal wurden uns zum Beispiel geschenkt,“ erzählt David Keck, Student der Geographie und Mitglied des WurzelWerks. „Dadurch haben wir auch finanziell einen guten Spielraum.“ Gleichzeitig ist es oft schwer, mit der Verwaltung zu kommunizieren und Erlaubnis für die Projekte zu bekommen. „Die Uni ist nicht immer offen für unsere Ideen.“
 
Wie das Referat für Umwelt der TUM wird die Initiative durch ein Zusammenspiel von mehreren Institutionen gefördert. Einer davon ist das Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität (KNU) – eine Initiative der UHH, die die Forschung im dem Bereich fördert und das WurzelWerk mit 1000 Euro unterstützt hat. Dazu hat die Initiative Mittel von den Präsidenten der UHH bekommen und sogar einen Preis von der Stiftung Zukunftsrat Hamburg gewonnen - ihnen wurde der 2. Hamburger Zukunftspreis verliehen.


Nachhaltigkeit und Kino

Auch von der KNU gefördert wurde das Projekt GeoKino*Kollektiv, das geographisch relevante Problematiken diskutieren will. Sie organisieren seit 2014 Veranstaltungen, in denen Filme zu bestimmten Themen gezeigt werden. Anschließend wird mit der Moderation von Experten diskutiert. Die Inhalte variieren zwischen ökologisch, wie das Sterben von Korallenriffen durch den Klimawandel oder die Proteste im Hambacher Forst, und soziologisch relevanten Themen.
Auch hier ist David eines der Mitglieder. Die Diskussionen, die nach der Filmsichtung stattfindet, findet er oft interessant. Allerdings wünscht er sich, dass mehr Personen aus nicht-Universitären Hintergrund teilnehmen. „Das GeoKino ist offen für alle, wird aber vor allem von Studenten besucht. Es wäre sehr schön, wenn wir Meinungen von Vertretern aus anderen sozialen Milieus hören könnten.“
 
Ich habe David gefragt, inwieweit die Institutionen und Akteure der Uni das Kollektiv unterstützen. Sie werden vom AStA der UHH und von der Geographischen Gesellschaft Hamburg gefördert, dessen Mitglieder eng mit der Universität arbeiten. Von der KNU haben sie eine einmaligen Förderung von 600 Euro. Allerdings findet David, dass die Unterstützung von der Universität begrenzt bleibt.

„Es sind auf jeden Fall Ansätze vorhanden, die nachhaltige Projekte unterstützen. Unsere Uni verkauft sich aber meiner Meinung nach grüner, als sie tatsächlich ist. Ich würde mich freuen, wenn studentische Initiativen noch mehr Unterstützung bekommen könnten. Außerdem muss die Universität in anderen Bereichen noch nachhaltiger werden.“


Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft

Beide Projekte lassen sich durch die eventuellen Schwierigkeiten nicht davon abhalten, weitere Initiative durchzusetzen. An der TUM wollen die Studierenden ein Green Office implementieren und setzen sich gegen das Aussterben von Bienen ein. Die Mitglieder des WurzelWerkes wollen an ihren Garten arbeiten und es immer weiter zu einem Raum des Austausches gestalten. Und im GeoKino sollen die Filmsichtungen immer größer und bunter werden, um weitere Diskussionen anzuregen.

 

 

 

Autorin: Camila Franco Weiss - PASCH-Alumna aus Brasilien