1. Ein deutsches Wort/eine deutsche Redewendung/ein deutsches Zitat, das mich beschreibt:

"Lass uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen" (ein Zitat von dem Gedicht „Eines Tages werden wir alt sein…“ von Julia Engelmann). Eine große Zielstrebigkeit hat mich mein ganzes Leben lang begleitet und ich scherze oft, dass ich plane, anstatt zu träumen.

 

2. Das Wort, die Wortgruppe, die ich am häufigsten in Deutsch verwende:

Felder pro Sekunde. Den Begriff benutze ich mehrmals jeden Tag. Es fängt früh am Morgen in dem Animationsraum an und endet meistens in der Nacht bei mir zu Hause. Die Zeit einer Einzelbewegung wird in Animation nämlich mit der Zahl der Felder ersetzt.

 

 

Jonasz animiert einen Roboter
©privat/ Jonasz Wiewiór

 

3. Ein Gefühl, ein Wort oder ein Bild, das ich mit Deutschland/Deutsch verbinde...

Am stärksten ist mir das Bild von dem Frankfurter Flughafen von der Zeit meiner Kindheit im Gedächtnis geblieben, was ich natürlich mit meiner großen Leidenschaft für Flugzeuge verbinde.

 

4. PASCH / meine ehemalige PASCH-Schule bedeutet für mich:

Ein Ort, wo ich ein Drittel meines bisherigen Lebens verbracht habe – die Zeit gegenseitiger Unterstützung, großer Träume und Pläne, harter Arbeit und rascher Selbstentwicklung, Freundschaften, Musik, schwieriger Entscheidungen (Keine einzige habe ich aber bereut) und Kompromissen, schöner Abenteuer. Ein Ort, dem ich meine Zukunft verdanke.

 

5. Als ich noch PASCH-Schüler/Schülerin war, wollte ich nach der Schule ...

ein Lufthansa-Pilot werden. Aus diesem Grund habe ich auch die bilinguale Klasse gewählt. An der zweiten Stelle stand Filmmusik-Komponist (und ist bis heute geblieben). Nach zwei Jahren wurde der erste Beruf von Animationsregie ersetzt. 

 

6. Seitdem ich die Schule beendet habe und PASCH-Alumna/-Alumnus bin, …

studiere ich Character Animation und befasse mich gleichzeitig mit Filmmusik-Komposition, Orchestrierung und Songarrangement. In der Freizeit spiele ich gelegentlich Klavier-Jazzkonzerte mit Sängerinnen.

 

7. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil ...   

Durch Filmmusik bin ich in die Animationswelt eingetreten, wo man Kunst mit Wissenschaft und Technologie vereinbaren kann. Die beiden Aspekte haben mich schon immer fasziniert. In der Schule lernte ich auf der einen Seite gern Mathematik, Physik und Informatik und auf der anderen Seite begab ich mich oft in die Welt der Kreativität und Improvisation, indem ich zum Beispiel spontan am Klavier stundenlang neue Musik schaffen konnte. Wobei Animation zum großen Teil im Selbststudium besteht, stand mir meine Schule, zu der ich eine besondere, sehr freundliche und wahre Beziehung hatte, immer zur Seite. Meine einzige Angst war nur der Mangel an Zeit. Es gab kein Fach, das ich nicht mochte und ich nahm an allen möglichen Wettbewerben teil. Dem schlossen sich meine Musikschule und später die Animation an. Dabei waren die Lehrer immer verständnisvoll und nahmen Rücksicht auf meine Nebentätigkeit.

 

8. Ich bin besonders stolz auf mich, weil …

ich im Alter von sechzehn Jahren innerhalb von zwei Monaten ein ganzes 3D Computerprogramm fließend beherrscht habe. Es war ein wichtiger Meilstein für meine Karriere und Zukuftsaussichten, weil ich mir dessen bewußt wurde, dass meine Träume nicht unerfüllbar sind. Damals habe ich angefangen, zu planen, anstatt zu träumen. 

 

9. Mein derzeitiger Alltag ist …

Mein Alltag ist stark mit dem Studium verbunden. Dabei sieht fast jede Woche anders aus, der Plan basiert auf Animationskursen. Mein Tag beginnt meistens zwischen 6 und 7 Uhr. Vor dem Unterricht beschäftige ich mich noch mit meinen Animationsprojekten, oder spiele Klavier. Bis 17 Uhr dauert dann die Arbeit mit Dozenten. Danach bleibe ich entweder in der Universität (Sie ist rund um die Uhr geöffnet) an den Aufgaben oder fahre nach Hause. In einer Projektwoche bleibe ich gern bis spät in die Nacht wach, an einem anderen Tag schlafe ich 12 Stunden lang. Es ist also sehr unterschiedlich, aber ich liebe es und würde daran nichts ändern. Jede Woche fängt ein neues Abenteuer an. Das Wochenende ist für Freunde und Erholung bestimmt und ich unternehme selten etwas, was mit der Arbeit verbunden ist. Was mir an dem Alltag besonders gefällt, ist, dass ich mir jeden Tag mindestens einen Film ansehe – sei es eine Abendvorführung in einem Kinosal in der Uni, oder eine Präsentation von fertigen Aufgaben. An die frühe Mahlzeit in der Mittagspause, die wir in Polen nicht haben (man isst gegen 15 -17 Uhr das Mittagessen), musste ich mich am Anfang gewöhnen. Sie ist jedoch auch eine tolle Gelegenheit, sich mit Künstlern aus der ganzen Welt beim Essen zu unterhalten.

 

 

Jonasz auf dem roten Teppich beim Film Festival
©Polish Film Festival Los Angeles

10. Mein Engagement als PASCH-Alumna/-Alumnus:

Ich war schon in meiner PASCH-Schule sehr aktiv, indem ich mich bei internationalen wohltätigen ehrenamtlichen Konzerten beteiligt habe und für das Deutsche Generalkonsulat mehrmals auftrat. Solche Gelegenheit hatte ich auch bei dem ersten Seminar für die diesjährigen PASCH-Alumni und dies würde ich auch gern fortsetzen. Ich freue mich außerdem auf andere gemeinsame Projekte, die vielleicht in der Zukunft auftauchen.

 

11. Nach meinem Abschluss bin ich anderen PASCH-Alumni aus der ganzen Welt begegnet …

Im Oktober 2018 nahm ich an einem Seminar für PASCH-Alumni 2018 teil, wo ich die Gelegenheit hatte, andere junge Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen, die genauso wie ich einer echten Leidenschaft mit Hingebung folgen. Es war herzerwärmend, zu erfahren, wie viel wir gemeinsam haben und dass unsere Wege nach Deutschland, zwar unterschiedlich, eigentlich sehr ähnlich ausgesehen hatten. Es hat nicht lange gedauert, bis wir alle befreundet waren.

 

12. Von der Zukunft erwarte ich …

Ich hoffe, dass ich immer so viel Kraft und Motivation wie jetzt habe, meine Pläne zu erfüllen und dass ich dabei trotzdem auch ein Gleichgewicht im Leben finde. Was meine beruflichen Träume angeht, würde ich sehr gern an Animationslangfilmen für ein großes Studio als Regisseur, beziehungsweise in dem Story Development Team arbeiten, oder für Kinofilme Musik schreiben.

 

13. Mein Rat/Tipp an andere PASCH-Schüler/Schülerinnen oder -Alumni ist:

Die Zeit vernünftig verplanen und gut überlegen, worin man sie investiert. Alles rund herum nimmt an Geschwindigkeit zu und Zeit ist das Einzige, was wir nicht zurückkriegen können.