Name: Caroline Assad

Alter: 26 Jahre

Heimatort/-land: Alexandria, Ägypten

Ehemalige Schule: Deutsche Schule der Borromäerinnen Alexandria

Abschlussjahrgang: 2009

Deutschlandaufenthalt:  Ab Oktober 2009 bis heute, Berlin hauptsächlich zum Studium und jetzt Arbeiten. Davor im Rahmen von zweiwöchigen Schüleraustauschen, beispielsweise mit einem PAD-Stipendium 2008 in Deutschland. 


1. Ein deutsches Wort/eine deutsche Redewendung/ein deutsches Zitat, das mich beschreibt:

Wenn schon, denn schon. Wenn schon hart arbeiten, dann richtig hart arbeiten. Wenn schon feiern, dann wirklich gut feiern. Nichts Halbherziges tun.

 

2. Das Wort, die Wortgruppe, die ich am häufigsten in Deutsch verwende:

Na ja / Meinetwegen / Von mir aus

 

3. Ein Gefühl, ein Wort oder ein Bild, das ich mit Deutschland/Deutsch verbinde:

Das Bild, das ich vor meinen Augen habe, ist das von meiner Gastfamilie damals in Bayern, als ich zum ersten Mal nach Deutschland gereist bin. Das war für mich sehr besonders, es fühlte sich wie mitten im Wald an, war extrem ruhig und ziemlich angenehm. Ganz anders als in der ägyptischen Großstadt, wo ich davor bislang gelebt hatte.

 

4. PASCH bedeutet für mich:

Ein Netzwerk aus Schulen und Menschen, die zu einem sehr großen Teil geistig offen aufwachsen und viel Multilingualität und Multikulturalismus genießen.

 

5. Als ich noch PASCH-Schüler/Schülerin war, wollte ich nach der Schule ...

Ich wusste es ganz ehrlich gesagt nicht so richtig. Aber ich wollte vielleicht Schriftstellerin oder Künstlerin werden. Manchmal überlegte ich Architektur zu studieren, weil ich so verrückt danach war, Gebäude zu zeichnen. Ich wollte aber vor allem meinen Weg in die Unabhängigkeit finden und wusste, dass es als ägyptische Frau nicht so leicht sein wird für mich.

 

6. Seitdem ich die Schule beendet habe und PASCH-Alumna/-Alumnus bin, …

…habe ich meinen Bachelor in Deutschland in Erziehungswissenschaft an der FU Berlin durch ein DAAD-Vollstipendium abgeschlossen und fing daraufhin mit dem Studium der Bildungswissenschaft M.A. an der gleichen Universität an. Seit dem Beginn meines Studiums übte ich unterschiedlichste Tätigkeiten aus, von einer studentischen Hilfskraft im Fachbereich „Empirische Erziehungswissenschaft“ bis hin zur Rezeptionistin im Circus Hotel am Rosenthaler Platz in Berlin Mitte. Nun arbeite ich seit einem Jahr an der CamP Group gGmbH, ein Think&Do Tank in Kreuzberg, als Projektmanagerin, schreibe nebenbei meine Masterarbeit zu Ende und bin Dozentin für Deutsch als Fremdsprache der Deutschen Uni Kairo- Berlin Campus.

 

7. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil ...   

Die allergrößte Motivation war damals und ist es heute noch, denke ich, dass ich freier leben wollte. Der öffentliche Raum in Ägypten ist heute ja noch ziemlich restriktiv, was die Bewegungsfreiheit und die Präsenz von Frauen angeht. Dies fühlte sich für mich eher einengend ein und von daher kam der Wunsch, etwas Anderes sozusagen zu erleben. Als ich in Deutschland ankam, fühlte sich natürlich Vieles extrem schwierig an. Bis heute ist Vieles tatsächlich noch extrem schwer, gerade wenn ich meine Familie und FreundInnen aus Alexandria vermisse. Auch das wunderschöne Land mit den tollen Meeresstränden vermisse ich sehr oft sehr. Dennoch hatte ich hier schnell den Eindruck, dass ich zu einer positiven gesellschaftlichen Veränderung durch meine Projektarbeit und durch mein zivilgesellschaftliches Engagement beitragen kann.

 

8. Ich bin besonders stolz auf mich, weil …

… ich sehr offen geblieben bin, was Lebensvorstellungen angeht. Ich habe Spaß daran, unterschiedliche Tätigkeiten anzugehen und habe Spaß daran unterschiedliche Lebensweisen auszuprobieren.

 

9. Mein derzeitiger Alltag ist …

Ich liebe es, dass ich zum Beispiel mit dem Fahrrad jeden Tag zur Arbeit fahren kann. Ich liebe es, dass ich jeden Tag mehrere Sprachen anwenden kann. Ich finde es toll, dass meine Arbeit einen praktischen und einen theoretischen Anteil hat. Ich liebe es, dass ich in Berlin Freunde mit komplett unterschiedlichen Lebensgeschichten und unterschiedlicher Herkunft finden konnte.  Ich finde es nicht so toll, dass ich mich oft immer noch „fremd“ fühle. Ich finde es nicht so toll, dass ich meine Familie oder mein Land vermisse. Ich finde es nicht gut, dass ich am liebsten mehr machen würde in Richtung positive zivilgesellschaftliche Veränderung in Ägypten, aber nicht wirklich weiß wie.

 

10. Mein Engagement als PASCH-Alumna/-Alumnus:

Ich würde mich sehr gerne engagieren. Ich hätte viele Ideen, wie ich dazu beitragen könnte.

 

11. Nach meinem Abschluss bin ich anderen PASCH-Alumni aus der ganzen Welt begegnet …

Ja, sehr oft, im Rahmen von DAAD Veranstaltungen, aber auch durch FreundInnen von FreundInnen und durch das Studium in Berlin natürlich.

 

12. Von der Zukunft erwarte ich ...

Ich erwarte, dass ich mich intensiv damit beschäftige, wie ich Austauschprojekte zwischen Nordafrika und Europa konzipieren, managen, organisieren und finanzieren lassen kann. Ich erwarte, dass ich im Internationalen Parlamentsstipendium des Deutsches Bundestags dieses Jahr sehr viel darüber lerne. Ich denke, dass ich gut/hart dafür arbeiten werde, und hoffe, dass ich meine Masterarbeit gut abschließe und idealerweise mit einer Promotion anfangen kann.

 

13. Mein Rat/Tipp an andere PASCH-Schüler/Schülerinnen oder -Alumni ist:

Dass sie ihr Bestes machen, um der eigenen Kultur und Sprache treu zu bleiben und gleichzeitig sich viel Raum offen lassen, um damit zu machen, was sie wollen. Das heißt, dass sie keiner anderen Person außer sich selbst das Recht geben, ihnen zu sagen, wie sie zu leben haben oder wie sie sich verhalten sollen oder nicht. PASCH Schulen geben uns extrem viele Privilegien, besonders wenn wir in Ländern aufwachsen, wo die meisten BürgerInnen keine Bildung oder doch sehr geringe Bildung genießen können. Dies bedeutet für uns eine Chance und gleichzeitig eine Verantwortung. Wir sollten damit sehr behutsam umgehen.