Hans Fallada - "Jeder stirbt für sich allein"

Im Rahmen unserer Themenreihe "Deutsche Sprache und Literatur" möchten wir Ihnen interessante und wichtige Bücher vorstellen, die Sie online kostenlos lesen können. Dieses Mal geht es um den Roman "Jeder stirbt für sich allein" von dem deutschen Autor Hans Fallada (1893-1947). Das Buch können Sie kostenlos online lesen >>

Es ist 1947 erschienen und steht bis heute weltweit auf den Bestsellerlisten.

 

Wieso aber lesen auch heute noch Menschen aus aller Welt ein Buch, dass vor über 70 Jahren veröffentlicht worden ist?   

© e.o.plauen, das ist Erich Ohser: Hans Fallada 1943

 

 

Hans Fallada - "Jeder stirbt für sich allein"

Der Roman „Jeder stirbt für sich allein“ basiert auf einer wahren Begebenheit*, allerdings gibt es einige Abweichungen von den realen Ereignissen und auch fiktive Nebenhandlungen und Personen.


In Falladas Geschichte sind die Hauptpersonen Otto und Anna Quangel. Das Arbeiterehepaar lebt in einem Mietshaus in der Jablonskistraße 55 in Berlin. Als sie von dem Tod ihres einzigen Sohnes erfahren, der an der Front gefallen ist, bricht für das Ehepaar eine Welt zusammen. Otto und seine Frau beschließen, etwas gegen die Ungerechtigkeiten des NS-Regimes zu unternehmen. Gemeinsam schreiben sie Postkarten, in denen sie zum Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime** aufrufen und verteilen diese in Treppenhäusern. Schließlich kann der Gestapo-Beamte*** Escherich Otto Quangel als Schreiber der Postkarten überführen. Otto und Anna werden beide festgenommen und nach Verhören von dem Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Die Eheleute werden in getrennten Zellen festgehalten, sodass Anna nicht mitbekommt, dass ihr Ehemann hingerichtet wird. Sie hofft weiterhin auf ein letztes Wiedersehen mit ihm. Anna kommt schließlich mehrere Wochen nach der Hinrichtung**** ihres Mannes bei einem Bombenangriff auf das Gefängnis ums Leben.

Elise und Otto Hampel

 

Hintergrund: Der Widerstand der Eheleute Hampel

Als Vorlage für seinen Roman nutzte Hans Fallada einen wahren Fall. Seine Hauptfiguren Otto und Anna Quangel lehnte er an das Ehepaar Hampel an.

Elise und Otto Hampel lebten wirklich zur Zeit des Nationalsozialismus. Das Ehepaar aus Berlin wollte etwas gegen die Situation in Deutschland unternehmen, Widerstand leisten. Zwei Jahre lang riefen sie unerkannt mit selbstgeschriebenen Postkarten gegen Hitler auf - bis sie verraten und für ihre Aktionen im Jahr 1943 mit dem Tode bestraft wurden.  


Ein internationaler Bestseller

Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ ist ein lesenswerter Roman und ein wichtiger Bestandteil der deutschen Literatur.

Das zeigt auch die Erfolgsgeschichte des Romans.
1946 verfasste Hans Fallada die Geschichte über den Widerstand des Ehepaars Quangel in einem unglaublich kurzen Zeitraum: In nur 24 Tagen schrieb er die 600 Seiten seines Romans.

Doch obwohl der Roman als einer der ersten Anti-Nazi-Romane nach Kriegsende in Deutschland zum Verkaufsschlager wurde, geriet er zunächst wieder in Vergessenheit.

Erst im Jahr 2002 sorgte die Übersetzung ins Französische für eine Wiederentdeckung des Romans, der sich in Frankreich hunderttausendmal verkaufte. Auch in den USA, Israel und Großbritannien wurden die (Neu-) Veröffentlichungen zu einem Bestseller. Der internationale Erfolg führte dazu, dass 2011 erstmalig auch eine ungekürzte Neuausgabe des Romans in Deutschland veröffentlicht wurde. 

Falladas Geschichte um Otto und Anna Quangel wird Gegenstand von Theaterstücken und Filmen. 2016 erst erscheint eine hochkarätig besetzte Verfilmung vom Schweizer Schauspieler und Regisseur Vincent Perez.

 

Warum aber bewegt die Geschichte über den „kleinen“ Widerstand eines Arbeiterehepaars noch heute die Menschen?  

 

Ein literarisches Mahnmal und Denkmal

Die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist nach wie vor zentral für Deutschland. Mit seinem Roman ist es Hans Fallada gelungen, ein bedrückend authentisches Bild von den Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland zu schaffen. Er erinnert daran, dass Menschen nicht aufhören dürfen, gesellschaftliche und politische Entwicklungen kritisch zu hinterfragen. Eindringlich zeigt er aber auch, welche ungeahnten Stärken Menschen in Zeiten von Verzweiflung und Not entwickeln können. 

Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein" ist zum einen ein Mahnmal, das an die Schrecken jener Zeit erinnert. Zum anderen ist er aber auch ein Denkmal für das Ehepaar Hampel und die Menschen, die sich trotz der Gefahren für ihr Leben gegen das Nazi-Regime aufgelehnt haben. 


* eine wahre Begebenheit = ein Ereignis, das tatsächlich so stattgefunden hat

** NS-Regime = Bezeichnung für die nationalsozialistische Herrschaft unter Adolf Hitler.

*** Gestapo = Kurzform für Geheime Staatspolizei. Die Gestapo war die politische Polizei zu Zeiten des Nationalsozialismus.

**** Hinrichtung = hier: Tötung eines Menschen, weil er vom Gericht die Todesstrafe erhalten hat


Weiterführende Links:

Neugierig geworden? Den Roman "Jeder stirbt für sich allein" können Sie ganz einfach online lesen:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/-10057/1 

 

Auf der Webseite der Hans-Fallada-Gesellschaft finden Sie Informationen zum Leben Falladas, zu seinen Werken sowie auch zum Hans-Fallada-Museum, Lesungen und Theateraufführungen:

https://www.fallada.de/ 

 

Ein Artikel über das Ehepaar Hampel:

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-04/hans-fallada-widerstand

 

Weitere Informationen zum Film "Jeder stirbt für sich allein" von 2016:

https://www.tagesspiegel.de/kultur/fallada-verfilmung-jeder-stirbt-fuer-sich-allein-wir-wehren-uns/14852260.html