Auf Goethes und Schillers Spuren*...

Wenn man an die wichtigsten deutschen Dichter denkt, fallen einem als Erstes vermutlich Goethe und Schiller ein. Die deutsche Literatur- und Kulturgeschichte wurde sehr von diesen beiden Dichtern geprägt. So werden heute immer noch Institute, Straßen, Hochschulen oder Schulen nach ihnen benannt. Sie sind aber mehr als nur berühmte Namensgeber – auch ihre Werke werden heute noch gelesen und an vielen Orten aufgeführt. Aber wer waren Goethe und Schiller und warum sind sie heute - nach über zwei Jahrhunderten - immer noch wichtig?


Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang Goethe (erst 1782 wurde ihm der Adelstitel „von“ verliehen) wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte zwar in Leipzig und Straßburg Jura, sein Interesse galt jedoch viel mehr der Medizin, der Theologie, der Philosophie und natürlich der Literatur. So fing er bereits während des Studiums an, erste Gedichte zu verfassen.

                                                                 Goethes Durchbruch

 

Kurioserweise verdankte Goethe das Werk, das ihn auf der ganzen Welt berühmt machte, einer unglücklichen Liebe. Er verliebte sich in eine Frau, die bereits mit einem anderen Mann zusammen war. Vom Liebeskummer** inspiriert schrieb er Die Leiden des jungen Werthers (1774). Goethe schrieb so emotional und mitreißend, dass manche männlichen Leser tatsächlich die Buchfigur Werther nachahmten*** – tragischerweise, denn Werther brachte sich aus Liebeskummer selbst um.

Das Werk „Die Leiden des jungen Werthers“ ist ein typisches Beispiel der deutschen Epoche Sturm und Drang (1769-1785), in der besonders die Gefühle im Vordergrund standen. Die alten Traditionen und Regeln sollten verändert werden, um dem Individuum mehr Freiheit zu ermöglichen.

1775 zieht Goethe nach Weimar und beginnt für das Herzogtum**** zu arbeiten. Während der Zeit in Weimar, unterbrochen durch eine Italienreise, veröffentlichte er zahlreiche Werke, die ebenfalls sehr berühmt wurden. Dazu zählen z.B. „Iphigenie auf Tauris“, „Torquato Tasso“ und „Egmont“. Diese gehören nicht mehr zur Epoche des Sturm und Drangs, sondern gelten als typische Werke der Klassik (1786-1835). Nun geht es weniger um Gefühle, sondern mehr um den Verstand. Der Mensch soll zu einem humanen und moralisch***** richtig handelnden Menschen erzogen werden.

Goethes „Faust“ gilt als bedeutendstes und meistzitierteste Werk der deutschen Literatur. Daran arbeitete er fast 60 Jahre seines Lebens bis schließlich der letzte Teil 1832 einige Monate nach seinem Tode veröffentlicht wurde.


Friedrich Schiller

Neben Goethe war auch Friedrich Schiller (1759-1805) ein angesehener Dichter, der zeitgleich mit Goethe in den Epochen Sturm und Drang und der Klassik wirkte. Bereits mit seinem ersten Werk Die Räuber (1781) gelang ihm ein großer Erfolg. Auch weitere Theaterstücke und Balladen stießen auf positive Reaktionen des Publikums und sind heute nicht mehr aus deutschen Theatern wegzudenken. Dazu zählen z.B. „Don Karlos“, „Maria Stuart“, „Wilhelm Tell“ und „Kabale und Liebe“.

Schillers Freundschaft zu Goethe

Zu Beginn konkurrierten Schiller und Goethe miteinander, da sich Goethe vom zehn Jahre jüngeren, immer berühmter werdenden Schiller bedrängt fühlte. Schiller empfand Goethe wiederum als eine arrogante Person. Nach einem zweiten persönlichen Treffen im Jahre 1749 in Jena änderte sich dies. Es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, in der sie sich gegenseitig persönlich und schriftstellerisch motivierten und inspirierten. Die gemeinsame Schaffenszeit der beiden Dichter wird „Weimarer Klassik“ genannt, da sie zur selben Zeit in Weimar bzw. im 20 km entfernten Jena wirkten. Weimar galt damals als das intellektuelle Zentrum Deutschlands, da dort neben Goethe und Schiller auch die berühmten Dichter Herder und Wieland lebten.

Schiller bewunderte Goethe als ein literarisches Genie und als Schiller mit nur 45 Jahren verstirbt, schrieb Goethe, dass er die Hälfte seines Lebens zu verlieren glaubte.


Und welche Bedeutung haben die Dichter heute?

Goethe und Schiller sind ein großer Teil der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte, da sie gleich zwei Epochen (Sturm und Drang & Klassik) prägten und als ihre wichtigsten Vertreter gelten. Mit ihren Themen und Schreibstilen trafen sie genau den Nerv der Zeit****** – sie thematisierten das, was den Menschen der damaligen Zeit wichtig war und sie interessierte. Die Schriftsteller zeigten ihren Lesern soziale, politische und gesellschaftliche Missstände auf. Sie versuchten die Situation zu verbessern sowie den Menschen aufzuklären und ihn zu bilden.

Die Literatur zeigt uns, wie die Welt früher ausgesehen hat. Ohne Goethe, Schiller und viele andere Schriftsteller wüssten wir heute vermutlich nur halb so viel über die Themen, Probleme und vor allem Gefühle der Bürger von früher. Doch ist sie nicht nur Spiegel der damaligen Zeit – setzt man sich mit den Werken auseinander, lassen sich einige Parallelen zur heutigen Welt ziehen. So zum Beispiel Schillers 230 Jahre alte Geschichte über die unglückliche Liebe von Luise und Ferdinand. Auch wenn die Ständegesellschaft heute nicht mehr existiert, können immer noch gesellschaftliche Hindernisse die Liebe belasten. Heute gilt nicht mehr die Frage, ob Adel oder Bürgertum – stattdessen entscheidet der soziale Status, das Einkommen, die Nationalität oder auch die Religionszugehörigkeit jetzt teilweise immer noch über unsere Möglichkeiten im Leben.

Und vielleicht werden gerade deswegen Goethes und Schillers Werke immer noch gelesen und aufgeführt – sie sind Spiegel der Zeit, kulturelles Erbe und gleichzeitig inhaltlich auch Jahre später noch aktuell. 


* auf jemandes Spuren sein: hier: den Lebensweg von Goethe und Schiller nachverfolgen

** nachahmen: imitieren, kopieren, etwas so wie jemand anderes machen

*** Liebeskummer: traurig sein wegen der Liebe

**** das Herzogtum: das Gebiet, in dem ein Herzog (ein Adel) regiert

***** moralisch richtig handeln: so handeln, wie es die Werte und Normen in der Gesellschaft vorschreiben

****** den Nerv der Zeit treffen: mit etwas Erfolg haben, weil es die Menschen aktuell sehr interessiert


Weiterführende Links

Erleben Sie Goethe und Schiller hautnah – besuchen Sie die Kulturstadt Weimar und tauchen Sie in die kulturelle Vielfalt der Stadt ein:

  • In Weimar erwartet Sie das wichtigste Museum zu Goethes Leben. Dort befinden sich neben seiner natur- und kunstwissenschaftlicher Sammlungen auch sein Wohnhaus und seine Privatbibliothek.

  • Wie hat Schiller gelebt? In Weimar können Sie in Schillers Wohnhaus samt Einrichtung eintreten. Im selben Gebäudekomplex befindet sich auch das Schiller-Museum.

  • Das Goethe- und Schiller-Archiv ist das älteste Archiv deutschsprachiger Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts.

  • Neugierig auf Goethes und Schillers Werke geworden? Hier können Sie die Bücher der beiden Dichtern und vielen weiteren deutschen Autoren kostenlos und online lesen.