Soziale Netzwerke & ihre Bedeutung für die Gesellschaft

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie über die Möglichkeiten des Internets nachdenken? Vermutlich werden die Meisten daran denken, wie sie schnell und einfach Zugang zu Informationen erhalten, wie sie mit Freunden in Kontakt bleiben und wie sie selbst in der Lage sind, Informationen zu teilen. Alle drei Merkmale sind einzeln betrachtet eine Erleichterung für den Nutzer: Wenn man eine bestimmte Information braucht, schaut man bei Wikipedia nach und geht nicht in die Bibliothek. Wenn man sich mit Freunden treffen möchte, schreibt man ihnen eine Nachricht und muss nicht telefonieren. Man ist auch nicht darauf angewiesen, dass die andere Person erreichbar ist – irgendwann wird sie die Nachricht schon lesen. Wenn man seinem Bekanntenkreis Neuigkeiten mitteilen möchte, postet man etwas in den sozialen Netzwerken, anstatt jedem einzeln davon zu berichten. Das alles sind sehr konkrete Beispiele dafür, wie das Internet unser Leben gestaltet und augenscheinlich vereinfacht. Aber was sind die gesamtgesellschaftlichen und politischen Auswirkungen?

 

 

Sagen Sie Ihre Meinung...

Eine sehr positive Entwicklung ist zum Beispiel die Stärkung der Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit ist ein sehr wichtiger Teil der Demokratie in Deutschland. In der Bundesrepublik Deutschland kann jeder seine Meinung sagen. Diese darf aber gegenüber anderen nicht beleidigend sein und auch nicht dazu aufrufen, die Demokratie zu schädigen. Das Internet und die sozialen Netzwerke bieten eine gute Plattform zur Meinungsäußerung. Sobald man Zugang zum Internet hat, kann man sich mit anderen Personen virtuell vernetzen und seine Ansichten teilen. So können einzelne Personen eine große Gruppe an Menschen erreichen, ohne auf die Hilfe von Zeitungen oder Fernsehen angewiesen zu sein. Dadurch können gesellschaftliche Bewegungen entstehen, die vorher vielleicht nicht wahrgenommen oder als nicht wichtig empfunden wurden. Die einzelnen Personen, die im Internet aktiv sind, können erkennen, wer ähnliche Ansichten teilt und sich untereinander organisieren. Als es das Internet noch nicht gab, war es wahrscheinlich schwieriger, Gleichgesinnte* zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten. Vor allem das Fernsehen, Radio und die Zeitung hatten die Möglichkeiten, viele Menschen zu erreichen. Wenn aber zum Beispiel der Zeitungsredakteur ein Thema als nicht wichtig genug empfunden hat, wurde nicht über das Thema berichtet. Heutzutage ist das anders: Bewegungen wie #MeToo haben ihren Ursprung im Internet und entwickeln sich schnell zu Bewegungen, die die Gesellschaft verändern können. Das Internet ist also wichtig für die Meinungsfreiheit.

 

 

... aber bitte ohne Beleidigung!

Allerdings gibt es auch eine andere Seite: Das Internet ist vermehrt zum Ort der sogenannten "Hate Speech" geworden. Dabei werden einzelne Personen, aber auch ganze Personengruppen, durch beleidigende Kommentare angegriffen oder erniedrigt. Solche Kommentare haben oftmals nichts mehr mit freier Meinungsäußerung zu tun, sondern sind strafbar. Aufgrund der Anonymität im Internet werden solche Taten jedoch selten bestraft. Hate Speech kann also verwendet werden, um bestimmte Personen auszuschließen. Das hat schwere Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ein Beispiel: Wenn eine Person aufgrund eines Merkmals (zum Beispiel Hautfarbe oder Herkunft) in einem sozialen Netzwerk angefeindet wird, wird sich die Person überlegen, das soziale Netzwerk zu verlassen. Damit ist ihre Freiheit, sich an einer (politischen) Diskussion in diesem sozialen Netzwerk zu beteiligen eingeschränkt. Dies mag in dem Fall nicht sonderlich schlimm sein. Wenn sich diese Hate Speech aber auch auf weitere Bereiche ihres Lebens ausweitet, wird der gesellschaftliche Raum, in dem sie sich frei bewegen kann, immer kleiner. Die Teilhabe an gesellschaftspolitischen Prozessen wird dadurch stark eingeschränkt. Genau diese Tatsache steht im Gegensatz zu dem, was wir "freiheitliche" Demokratie nennen. ‚Freiheitlich‘ wird in Deutschland meistens positiv gedeutet – die Freiheit des einzelnen an politischen Prozessen beteiligt sein zu können. Toleranz ist ein wesentliches Merkmal, das diese positive Freiheit sicherstellt. Hate Speech ist jedoch genau das Gegenteil von Toleranz und zielt darauf ab, Meinungen zu verunglimpfen und dadurch Personen auszuschließen.

 

 

Die Verantwortung jedes Einzelnen

Insgesamt gibt es also sowohl gute als auch negative Aspekte: Das Internet macht es den Menschen einerseits einfacher, ihre Meinungen zu äußern, sich zu organisieren und an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen. Andererseits sind die Meinungen manchmal beleidigend und können als Hate Speech gesehen werden. Diese fehlende Toleranz schränkt die Freiheit einzelner Personen oder ganzer Personengruppen ein. Nach steigendem öffentlichen Druck hat die Bundesregierung im Herbst 2015 eine Taskforce gegründet, um mit großen Internetakteuren wie Facebook oder Google Lösungen für das Problem der Hate Speech zu finden. Seit 2016 arbeiten nun einige hundert Angestellte für Facebook, um Hasskommentare zu erkennen und zu löschen. Bei der großen Datenmenge stellt sich jedoch die Frage, ob diese Maßnahme wirkungsvoll sein kann. So oder so ist es die Verantwortung jedes Einzelnen, für Toleranz im Internet zu sorgen, denn nur in einer toleranten Gesellschaft hat jeder die Möglichkeit, frei teilhaben zu können.   


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