Traditionell beginnt am „Elften im Elften (Monat)“ um 11:11 Uhr die sogenannte „fünfte Jahreszeit“ in Deutschland. Gemeint ist damit die Karnevalszeit. Karneval ist ein Brauch, der mit Freude, Lebenslust und Geselligkeit verknüpft ist und der in Deutschland jedes Jahr mit großen Straßenumzügen, bunten Kostümen und ausgelassenen Feiern begangen wird. Je nach Region trägt dieses Fest einen anderen Namen. So heißt es beispielsweise im Rheinland „Karneval“, in Bayern „Fasching“ und in Baden-Württemberg „Fastnacht“. Die Menschen verkleiden sich und tragen lustige Kostüme, schminken sich bunt und feiern ausgiebig zusammen. Ausgelassenheit und Spaß sind das Motto für alle „Narren“ oder „Jecken“ (so heißen die Karnevalisten).

 

 

Der Ursprung von Karneval

Doch woher stammt der Karnevalsbrauch? Wie kam Karneval zustande?
Der Ursprung der Karnevalstradition hat einen christlichen Hintergrund. Die Idee dabei war, die Zeit vor der vierzigtätigen Fastenzeit vor Ostern noch einmal ausgelassen zu feiern. Die ersten Formen des Karnevals in Deutschland reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Das Wort Karneval stammt übrigens vom lateinischen „Carne vale“ ab und bedeutet scherzhaft übersetzt "Fleisch, leb wohl".

 

 

Karneval im Rheinland und seine politische Prägung

Vor allem im Rheinland hat die Karnevalstradition eine besondere Bedeutung. Sie geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als das Rheinland von den Franzosen besetzt und die politische Meinungsfreiheit eingeschränkt war. Trotz der schwierigen Umstände haben sich die Menschen heimlich versammelt und sich kritisch, aber auch auf humorvolle Weise mit der politischen Lage auseinandergesetzt.

Nach der französischen Besatzungszeit entwickelte sich ausgehend von Köln eine bürgerliche Form des Karnevals. Ein Komitee wurde eingerichtet, um die vielfältigen Festformen zusammenzufügen und zu zentralisieren. Als Höhepunkt des Festes sollte ein Maskenumzug durchgeführt werden. Dieser fand 1823 erstmalig in Köln statt - der Rosenmontagsumzug war geboren. Im Rheinland, beispielsweise in Köln, Düsseldorf und Mainz, hat Karneval bis heute einen besonderen Stellenwert. Der rheinische Karneval mit all seinen lokalen Varianten ist von der UNESCO als „immaterielles Kulturerbe Deutschlands“ ausgezeichnet worden.

Neben der spaßigen Seite hat Karneval aber auch noch eine ernstere Bedeutung, weist er doch auch auf politische oder gesellschaftliche Missstände hin. Dieser politische und gesellschaftskritische Charakter entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert und hat sich bis heute nicht geändert. Unabhängig von Rang und Namen machen sich die Karnevalisten durch lustige oder provokante Figuren auf Motivwagen über Politiker und die Mächtigen lustig.

 

 

Karneval heute

Obwohl der Beginn der Karnevalssession schon am 11.11. des Vorjahrs angekündigt wird, wird er hauptsächlich erst im Frühling des nächsten Jahres gefeiert. Die Hochsaison liegt zwischen „Weiberfastnacht“ und „Aschermittwoch“ (in diesem Jahr also zwischen dem 28.02.2019 und dem 06.03.2019). Für die Karnevalisten ist dies die Hochphase des Straßenkarnevals. Dabei bildet „Rosenmontag“ den Höhepunkt der Karnevalszeit. An diesem Tag finden die großen und wichtigsten Karnevalsumzüge statt, die stundenlang durch die Stadt ziehen und ein wahres Spektakel für alle Karnevalsfans sind.

Typisch für Karneval ist, dass man sich verkleidet - dabei sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt, und der generationsübergreifende Charakter: jung und alt feiern und singen zusammen. Kinder, aber auch Erwachsene, sammeln Süßigkeiten, die von den Umzugswagen heruntergeworfen werden. Nach dem Umzug feiern viele Jecken und Narren weiter in Kneipen oder auf Straßenfesten. Der sogenannte Aschermittwoch bedeutet das offizielle Ende für die Karnevalszeit, da er nach christlichem Brauch die vierzigtätige Fastenzeit, die als Vorbereitung für das Osterfest dient, einläutet.

 

 

„Narrenrufe“

Was nicht fehlen darf, sind die traditionellen Rufe des Karnevals. Sie nennen sich „Narrenrufe“. „Helau“ und „Alaaf“ gelten als die bekanntesten und bundesweit meist verbreiteten Narrenrufe. „Alaaf“ wird traditionell in Köln gerufen. In Düsseldorf und Mainz ist „Helau“ meist verbreitet. Übrigens ist im Rheinland „Kamelle“ das Wort für die Süßigkeiten, die beim Karnevalsumzug geworfen werden.